Ist Gestank reizend?
Wie nett, den ersten Duft-Blog Beitrag mit Gestank zu beginnen, nicht?
Für die einen hat Gestank einen rein negativen Anstrich. Man meidet ihn, man flüchtet vor ihm. Bei mir ist das anders. Unangenehme Gerüche können durchaus ihren Reiz haben. Bisweilen wirken sie auf mich sogar magisch anziehend. Vor allem dann, wenn üble Gerüche mit intensiven Wohlgerüchen vermischt sind.Eine Mischung von abstossend und anziehend wirkt überaus reizend, solange sie eine gute Balance behält ! Als Beispiel wäre da die Stinkfrucht Durian. Sie wird zu Recht auch Frucht der Extreme genannt. Als ich kürzlich in New York weilte, kaufte ich mir in China Town eine riesige, stachelige Durian. Mit zwei Parfumeuren haben wir die Frucht gerochen, gekostet und beschrieben: Einerseits duftet sie angenehm fruchtig, nach Aprikose, Dörrfrüchten, sehr süss und malzig, nach Tamarinde und Affenbrotbaum-Samen. Furonol dürfte wohl eine Schlüsselkomponente des Durian Geschmacks sein. Andererseits sind da diese Schwefelkomponenten, die nach faulen Eiern riechen, nach DMS, widerlich, wie Erbrochenes. Würde dieser Eindruck nicht abgefangen durch den intensiv süssen, überaus exotisch cremig- malzig und nussigen Geschmack, kaum jemand würde diese Frucht verspeisen. Der zwiespältige Geschmack passt wunderbar zu weichen, schlabrigen Konsistenz des Fruchtfleisches.
Durian-Früchte zählen trotz ihres widerlichen Geruches zu dem am höchsten geschätzten Obst Südostasiens. Die Frucht gilt in Asien als Aphrodisiakum. Durians sind sehr begrenzt transportfähig und nur wenige Tage haltbar.
Interessante Frucht, unbedingt ein Kosten wert !


Ein Kommentar
Ja, ganz recht, unangenehme Gerueche sind oft viel interessanter als der von lieblichen Bluemchen, oder, schlimmer, der von x-mal kopierten Parfums, so haeufig kopiert, dass sie schon ganz blass wirken und nur noch Langeweile ausstrahlen. Durian hat so einen Geruch, da muss man sich zuerst ein wenig ueberwinden, wird aber dann belohnt fuer die Mutprobe, diese Textur im Mund, unvergleichlich, fast kuenstlich, ganz so als haette ein Dessert-Chef seine Kreation in dieser stacheligen Pflanze verpackt.